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ÜBER DIESES PROJEKT

Unsere beiden AudioWalks nehmen Sie mit auf eine Reise durch das jüdische Czernowitz und Chişinău und ermöglichen Ihnen, viele der fast vergessenen Orte des jüdischen Lebens in den Städten zu entdecken.

Nutzen Sie unsere Multimedia-Karten und erkunden Sie dabei das Archivmaterial sowie die Familienbilder und persönlichen Geschichten von 21 jüdischen Holocaust-Überlebenden, um einen einzigartigen Einblick in das vielfältige jüdische Erbe dieser beiden europäischen Städte zu erhalten.

Ruinen des ehemaligen Jüdischen Krankenhauses
Ruinen des ehemaligen Jüdischen Krankenhauses

Jüdisches Krankenhaus

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Strada Columna 150
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Auf dem Gelände des Städtischen Krankenhauses Nr. 4 in der Strada Columna 150 fällt die Ruine eines imposanten Gebäudes ins Auge. Es war einst das Haupthaus des jüdischen Krankenhauses, das sich bis 1940 auf dem Gelände befand. Seit Jahren soll das zweigeschossige Gebäude saniert werden. Bislang wurde das einsturzgefährdete Gemäuer lediglich notdürftig mit metallenen Klammern gesichert.

Auch die Bauten neben und hinter dem ehemaligen Haupthaus, die bis heute für das Krankenhaus genutzt werden, gehörten schon zum Ensemble des jüdischen Hospitals. Das Krankenhaus wurde 1817 gegründet. Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte die Einrichtung über rund 30 Betten, finanziert durch staatliche Zuwendungen, Eigenmittel der jüdischen Gemeinde und Spenden. Mit der sich vergrößernden jüdischen Gemeinde in der Stadt wuchs das jüdische Krankenhaus: Um 1900 verfügte es über mehr als 100 Betten, zum Gebäudekomplex gehörte damals noch ein Armenhaus. 1911 boten die Räumlichkeiten bereits Platz für 200 Patienten. Versorgt wurden vornehmlich Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Chișinău. Auch kamen im jüdischen Krankenhaus zahlreiche neue Mitglieder der jüdischen Gemeinde zur Welt, darunter Bella Chanina:

Ich wurde 1923 im jüdischen Krankenhaus in Chișinău geboren und in das Rabbinatsbuch eingetragen. Als ich nach dem Krieg eine Geburtsurkunde brauchte, da das Original verloren gegangen war, fand man den Dienstplan von 1923 in der Synagoge und darin einen Eintrag über meine Geburt. Der Familientradition folgend, wollte meine Mutter mich nach ihrem Vater Yulia nennen, aber die anderen haben ihr das ausgeredet: „Was ist, wenn du eines Tages einen Jungen bekommst?

Im Krankenhaus gab es koscheres Essen und eine Synagoge. Wer heute durch den Haupteingang an der Ruine geradeaus vorbei geht, der findet im hinteren Bereich des Geländes zwei kleinere Backsteingebäude vor. Möglicherweise befand sich in einem der beiden Häuser die Synagoge, das andere könnte eine Mikwe gewesen sein. Belegt ist das aber nicht.
Eine besondere Bedeutung kam dem jüdischen Hospital im Jahr 1903 zu. Nach den Pogromen in Chișinău wurden allein hier an die 500 Personen behandelt, darunter 95 Schwerverletzte, wie der Chefarzt des Krankenhauses, Dr. Michail Slutsky später berichtete. Acht Patienten erlagen ihren schweren Verletzungen. Historische Aufnahmen dokumentieren die Unterbringung der Verletzten auf dem Gelände.

Mit der Übernahme der Verwaltung durch sowjetische Behörden 1940 endete die Geschichte des jüdischen Krankenhauses in Chișinău: Die Institution wurde verstaatlicht und in ein städtisches Krankenhaus umgewandelt. 1946 waren jedoch zwei Drittel aller Ärzte in Chişinău Juden.

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