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ÜBER DIESES PROJEKT

Unsere beiden AudioWalks nehmen Sie mit auf eine Reise durch das jüdische Czernowitz und Chişinău und ermöglichen Ihnen, viele der fast vergessenen Orte des jüdischen Lebens in den Städten zu entdecken.

Nutzen Sie unsere Multimedia-Karten und erkunden Sie dabei das Archivmaterial sowie die Familienbilder und persönlichen Geschichten von 21 jüdischen Holocaust-Überlebenden, um einen einzigartigen Einblick in das vielfältige jüdische Erbe dieser beiden europäischen Städte zu erhalten.

Gebäude der ehemaligen Mädchenschule Regina Maria
Gebäude der ehemaligen Mädchenschule Regina Maria

Mädchenschule Regina Maria

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Bucureşti, 64
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1864 gründete Jeanette Dubois in Chişinău eine Privatschule für Mädchen aus vornehmen Familien. Anfänglich gab es nur elf Schülerinnen, der Unterricht wurde auf Französisch abgehalten und fand im Haus der Gründerin statt. Die Einrichtung wuchs rasch. Als Schulgebäude diente bald der große Gebäudekomplex, der heute an der Ecke Puschkin- und Bucuresti-Straße liegt.
Als Chişinău ab 1918 zu Rumänien gehörte, wurde die Schule umbenannt in „Regina Maria“, nach der Königin Maria von Rumänien. Unter diesem Namen wurde das Gymnasium in Centropa-Interviews erinnert, da in der Zwischenkriegszeit zahlreiche jüdische Kinder die Schule besuchten. Sarra Shpitalnik, 1928 in Chişinău geboren, war eine der Schülerinnen des Mädchengymnasiums:

Nach Abschluss der vierten Klasse ging ich auf das „Regina Maria“, ein rumänisches Mädchengymnasium. Wir hatten gute Lehrer. 25 Prozent jüdische Kinder waren erlaubt. In unseren A- und B-Klassen waren 100 Schülerinnen, darunter zwölf jüdische Mädchen in der A-Klasse und 13 in der B-Klasse. Wir trugen Uniformen ähnlich den Pfadfindern, dunkelblaue Hosen, die knielang waren, weiße Blusen und dunkelblaue Pullover, dazu Gürtel mit Abzeichen, wie sie das Militär hatte, und vielen anderen Abzeichen, etwa das rumänische Wappen. Jeden Morgen half mir meine Großmutter beim Anziehen: sie steckte die Abzeichen an und murmelte auf Jiddisch „noch a Zwoch, noch a Zwoch“, „noch ne Nadel und noch ne Nadel“.
Wir hatten Religionsunterricht. Die christlichen Mädchen hatten ihren eigenen Unterricht […] und wir jüdischen Mädchen lernten Gebete mit einem Rabbiner. Wir lernten von der ersten Klasse an doppelte Buchhaltung. Jungen lernten Latein und Altgriechisch, wir nicht. Wir lernten Französisch ab der ersten Klasse und Deutsch ab der dritten Klasse. 1940 beschloss mein Vater, dass ich Hebräisch lernen musste. Da er keine Zeit hatte, mich zu unterrichten, stellten meine Eltern eine Privatlehrerin ein. Ihr Name war Hana Levina. Ich erinnere mich oft an sie. Als meine Eltern sie fragten, wie begabt ich sei, antwortete sie: „Sie hat kein besonderes Talent, aber sie ist ein sehr intelligentes Kind“. Ich lernte das hebräische Alphabet, aber wir mussten den Unterricht bald abbrechen. Denn im Sommer 1940 kamen die Sowjets an die Macht.

Zur gleichen Zeit wie Sarra Shpitalnik besuchte auch Zlata Tkach, ebenfalls 1928 in Chişinău geboren, das Mädchengymnasium. Auch sie erinnerte sich in einem Centropa-Interview an ihre Schulzeit auf der höheren Schule:

Nach Abschluss der Grundschule ging ich auf das Gymnasium „Regina Maria“. Zu dieser Zeit war mein Rumänisch schon ganz gut und ich war eine gute und fleißige Schülerin. Ich hatte fast überall hervorragende Noten. In den Geisteswissenschaften war ich nicht so gut, aber in anderen Fächern schon. In Mathematik hatte ich immer die besten Noten. Unsere Mathematiklehrerin war eine grobe Frau. Wenn jemand eine falsche Antwort gab, sagte sie: „Du hast einen Strohkopf und ein Loch darin“. Unsere Lehrer waren jedoch zum größten Teil gut ausgebildet. Es waren mehrere jüdische Mädchen auf dem Gymnasium, aber es gab keine voreingenommene Haltung ihnen gegenüber. Vielleicht erklärt sich das durch das hohe Bildungsniveau unserer Lehrer. Die Kinder kamen auch aus gebildeten Familien, denn „Regina Maria“ galt als ein angesehenes Gymnasium. Es herrschte strenge Disziplin auf dem Gymnasium. Es gab in der Stadt ein weiteres rumänisches Gymnasium, das „Principesa Dadiani“, wo auch Französisch unterrichtet wurde.

Bis heute werden Teile des Gebäudekomplexes, in dem einst das „Regina Maria“-Gymnasium untergebracht war, als Bildungseinrichtung genutzt.

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